


„Kriegstüchtig oder friedenslogisch“
Bericht der Klever Friedensgruppe aus der Essener Marktkirche vom 02.07.2026 über die Podiumsdiskussion mit Präses Dr. Thorsten Latzel zum Richtungsstreit in der Kirche
Unsere Friedensgruppe plant eine Veranstaltung mit dem Titel: „Richtungsstreit in der Kirche - kriegstüchtig oder friedenslogisch?“ In Essen gab es zu diesem Thema am 02.07.26 eine Veranstaltung und wir sind hingefahren.
Zuerst gab es eine Diskussion zwischen den drei Teilnehmenden der Podiumsdiskussion, es waren der Präses im Rheinland Dr. Thorsten Latzel, der Militärdekan Dr. Roger Mielke und die Vorsitzende des IPPNW Frau Dr. Claußen (die Vorsitzende der deutschen Ärzt*innenvereinigung für die Verhütung eines Atomkrieges und in sozialer Verantwortung).
Für Dr. Thorsten Latzel sind Atombomben nach der Bibel ethisch nicht vertretbar. Der Miliärdekan Dr. Mielke entgegnete, wie problematisch die Sicherheitslage wäre, wenn wir keine Teilhabe an den US-Atombomben hätten. Daraufhin widersprach Frau Dr. A. Claußen, Vorsitzende der Ärztevereinigung IPPNW energisch. Sie betonte, dass die Situation zur Zeit, wo es keinerlei diplomatische Gespräche und Verhandlungen gäbe, hochgefährlich sei. Dem stimmten alle Teilnehmer zu. Aus ihrem Verständnis vom Menschenbild in der Bibel sollte es jedoch möglich sein, auch mit dem Feind zu reden. Es gehe darum wieder Gespräche über Abrüstung und Verhandlungen über den Atomwaffensperrvertrag und Atomwaffennichtverbreitungsvertrag zu führen.
Frau Dr. Claußen berichtete als Ärztin darüber, dass überall im Gesundheitssystem Geld fehle, aber plötzlich durch die Militarisierung des Gesundheitssystem, große Summen für rein kriegsbezogene unterirdische Behandlungsräume in Köln oder Forschung für speziell kriegsbedinge Verletzungen zur Verfügung ständen. Sie erlebe, dass Menschen, die im Gesundheitssystem wegen mangelnder Finanzierung zu kurz kommen, viel von der AfD sprechen. Das bereite ihr Sorgen, denn die AfD habe keineswegs ein christliches Menschenbild und soziale Ziele.
In der anschließenden Fragerunde sagte eine Kirchenbesucherin, dass sie sich in der Friedensschrift der EKD als Christin nicht wiedergefunden habe und schon daran gedacht habe, aus der Kirche auszutreten. Dann konnte sie aber feststellen, dass es sehr viele kritische Stimmen zur EKD-Schrift gibt, die ihrem Verständnis des Neuen Testaments über Frieden entsprachen. Sie erwähnte auch die aktuelle Schrift : „Wer Frieden will, muss mit dem Feinde reden“ vom ökumenischen Institut für Friedenstheologie, die u.a. von Bischöfin a.D. Margot Käsmann empfohlen wird.
Als wir die Fahrt zurück nach Kleve antraten, fühlten wir uns voll bestätigt, dass wir zu diesem Thema unsere nächste Friedensveranstaltung im September machen. Der Termin wird auf der Kirchenwebsite mitgeteilt. Die Vertreterin des IPPNW Frau Dr. Angelika Claußen hat schon zugesagt, dass sie an einer solchen Veranstaltung teilnehmen würde.
Fotos und Text von Hiltrud Schoonhoven; Brabanter Straße 74, 47533 Kleve (Website-bedingte Änderungen durch die Redaktion)
Foto von links nach rechts: Marianne Hütz, Herbert Looschelder; im Hintergrund Pfarrerin a.D. Brigitte Pannen und Religionslehrer a.D. Manfred Lucenz

